[Rezension] Saskia Jungnikl - Papa hat sich erschossen

Worum geht es?

Sein Tod teilt mein Leben in ein Vorher und ein Nachher

"Am 6. Juli 2008 kritzelt mein Vater etwas auf einen mintgrünen Post-it-Zettel. Er steigt die Wendeltreppe hinunter in die Bibliothek und holt seinen Revolver. Dann geht er durch den schmalen Gang hinaus in den Hof. Dort legt er sich unter unseren alten großen Nussbaum. ich weiß nichtm ob er dabei irgendwann gezögert hat. Ich glaube, er wird noch einmal tief eingeatmet haben, als er da lag. Vielleicht hat er sich noch kurz die Sterne angesehen und der Stille gelauscht. Dann schießt er sich in den Hinterkopf."
Hautnah und unsentimental erzählt Saskia Jungnikl über den Freitod ihres Vaters. Sie schreibt über die Ohnmacht, die ein solch gewaltvoller Tod hinterlässt, über ihren Umgang mit der Trauer und wie ihre Familie es schafft, damit weiterzuleben. (Quelle: Verlagsangaben)

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Meine Meinung:

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf dieses Buch gekommen bin. Ich glaube, ich habe es irgendwann einmal bei Instagram gesehen, mit einem kurzen, bewegenden Kommentar dazu. Seit meinem Geburtstag stand es mittlerweile in meinem Regal - und ich habe es nun endlich gelesen.

Sicherlich stellt sich da irgendwo die Frage: Suizid in der "Unterhaltungs"-Literatur verarbeitet? Ist das nicht viel zu deprimierend? Nun, vielleicht habe ich deshalb so lange gebraucht, bis ich dieses Buch zur Hand genommen habe. Und sicher war es alles andere als amüsant. Ich hatte eigentlich durchgehend einen Kloß im Hals. Und trotzdem war das Buch alles andere als deprimierend. Es hat mich sehr tief bewegt, mich nachdenklich gemacht. Es ist schwer, über die Verluste eines Menschen zu lesen. Das Gefühl der Ohnmacht, das eben diese hinterlassen. Aber gerade die Tatsache, dass die Autorin so offen über ihre Trauer schreibt, darüber, dass die Zeit eben nicht immer alle Wunden heilt, sondern dass es auch solche gibt, die ein Leben lang offen bleiben, finde ich durchaus mutig und bewundernswert.
Von ihren Verlusten und ihrer Hilflosigkeit zu lesen hat mir sicherlich auch irgendwo Angst gemacht - denn unweigerlich stellt man sich vor, wie man selbst mit dieser Situation umgehen würde. Aber gleichzeitig macht sie mit ihrem Buch auch Mut: Sie zeigt, dass man nicht immer stark sein muss. Dass es kein "Patentrezept" für Trauerverarbeitung gibt, dass jeder seine Zeit braucht - und dass dies genau so auch richtig ist. Zumindest ist das eines der Gefühle, die ich beim Lesen hatte. Und ich denke auch, dass dieses offene und ehrliche Buch für viele, die ihr Schicksal teilen, auch insofern hilfreich sein kann, indem es eben zeigt, dass man nicht allein ist. Man ist nicht allein mit der Hilflosigkeit, der Ratlosigkeit, der Angst, der Suche nach dem Warum.

Fazit:

Man merkt: Es fällt mir nicht so leicht, meine Meinung zu diesem Buch in Worte zu fassen. Ich finde es bewundernswert, dass Saskia Jungnikl so offen über den "Freitod" ihres Vaters sprechen kann und es dabei schafft, den Leser am Ende nicht völlig bedrückt und deprimiert zurück zu lassen. Sie hat mich mit ihren Worten bewegt, mir Mut gemacht, dass man nicht für andere seine Trauer schnell bewältigen muss und wieder einmal gezeigt, wie wichtig die Familie ist.

4 Kommentare:

  1. Tolles Foto :) Danke für die schöne Rezi. :)

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    1. Du glaubst ja nicht, wie viele Versuche ich gebraucht habe, bis ich endlich mit dem Bild zufrieden war :'D Was man von der Rezension nicht gerade behaupten kann. Ich bin echt aus der Übung. Aber freut mich, wenn sie dir trotzdem gefällt. :) <3

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    2. Hihi, Tin, die kleine Perfektionistin. :D
      Ich finde beides sehr super :D

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    3. Du kennst mich doch. ;)

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